ZDFinfo-Dokumentation „Völkische Siedler – Schattenwelten auf dem Land“

Ländliche Räume stehen nicht erst seit kurzer Zeit im Fokus rechter Ideologen. Seit einigen Jahren ziehen immer mehr völkische Siedler/innen in den ländlichen Raum, die sich u.a. auf ideologische Versatzstücke ´völkischer´ Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts beziehen. Fernab der großen Städte bilden sie hier Gemeinschaften, die ihrem rassistischen Weltbild entsprechen, etablieren sich als achtsame Ökobauern, geschickte Kunsthandwerker/ innen und hilfsbereite Neuzugänge der Dorfgemeinschaft und versuchen Einfluss auf kommunale Strukturen zu nehmen. Bei der politischen Überzeugungsarbeit machen Sie sich Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber Geflüchteten und gegenüber parlamentarischen Verfahren zunutze.

Die 43-minütige Dokumentation, die ZDFinfo dazu am 13.12.2017 um 21:00 Uhr ausstrahlt, wurde überwiegend in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gedreht. Mitgewirkt haben unter anderem Andrea Röpke (Politologin und freie Journalistin mit dem Themenschwerpunkt Rechtsextremismus) und Henning Kullak-Ublick (Bund der Freien Waldorfschulen). Regie führten Detlev Konnerth und Marijke Engel. Mehr Informationen gibt es unter: www.docstation.de/voelkische-siedler-schattenwelten-auf-dem-land

Eine Broschüre zum Thema sowie eine Karte "Verdachtspunkte völkischer Siedlungsprojekte" stellt die Amadeu Antonio Stiftung zur Verfügung:  www.amadeu-antonio-stiftung.de/voelkische-siedler

breit aufgestellt auch in 2018 – Fortbildungsprojekt gegen ausgrenzende Einstellungen geht in den sechsten Durchgang

Ab sofort ist es möglich sich zum sechsten Durchgang des Fortbildungsprojekts „breit aufgestelltanzumelden. Bei der Multiplikator_innen-Fortbildung geht es um Bildungs- und Präventionsarbeit gegen Ungleichwertigkeitsvorstellungen und extrem rechtes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft. An fünf Wochenenden werden ab April 2018 unter Bezug auf Intersektionalität und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verschiedene Ideologieelemente des Rechtsextremismus hinsichtlich ihrer Verbreitung in der Mitte der Gesellschaft untersucht und bildungspraktische Zugänge zu ihrer Prävention betrachtet und erprobt (Module sind beispielsweise: Sozialdarwinismus * Rassismus * Antiziganismus * Nation - Nationalismus – Nationalstaatlichkeit * Antisemitismus * Sexismus/Homophobie * Arbeitsbegriff und –verhältnisse: Intersektionale Perspektiven auf Ausgrenzung). Theorie, Selbstreflexion und Praxisqualifizierung stellen dabei die drei Säulen der Auseinandersetzung dar. Integriert wird in die Fortbildung die Erarbeitung und Auswertung eines Praxisprojekts in den jeweiligen Handlungsfeldern der Teilnehmenden. Die Fortbildung richtet sich vor allem an politische Bildner_innen, Pädagog_innen aus der allgemeinen Weiterbildung, Lehrer_innen, Sozialpädagog_innen und Mitarbeiter_innen von Jugendeinrichtungen, aber auch an weitere Akteur_innen aus gesellschaftlichen Bereichen, die mit ausgrenzenden Einstellungen konfrontiert sind und darauf pädagogisch reagieren wollen.

Die Fortbildung ist ein Kooperationsprojekt des Bundesarbeitskreises ARBEIT UND LEBEN mit der Bundeszentrale für politische Bildung und wird von Arbeit und Leben Hamburg durchgeführt. Es ist ein Element des umfassenden Qualifizierungskonzepts „Qualifiziert handeln!“ der bpb. Im Rahmen dieses umfassenden Qualifizierungskonzepts zertifizieren die Bundeszentrale für politische Bildung, Arbeit und Leben sowie die begleitenden Fachhochschulen Düsseldorf und Koblenz gemeinsam auch den erfolgreichen Abschluss von „breit aufgestellt“ zur „Präventionskraft gegen Ungleichwertigkeitsvorstellungen“.

 

Chancengleichheit? Nicht wirklich… - Videoclips zu (Anti-)-Diskriminierung im Arbeitskontext

Auch im Arbeitskontext spielt das Thema Diskriminierung eine große Rolle – ob beim Zugang zu Ausbildung und Arbeit oder im Arbeitsleben. Als Beispiel kann die Studie „Diskriminierung am Ausbildungsmarkt. Ausmaß, Ursachen und Handlungsperspektiven“  des Sachverständigenrates für Integration und Migration angeführt werden. Sie haben in einem Feldversuch heraus gefunden, dass Bewerber mit türkisch klingenden Namen fast doppelt so viele Bewerbung wie Bewerber mit deutsch klingendem Namen schreiben müssen, um zu einem Vorstellungsgespräch für einen Ausbildungsplatz als  KFZ-Mechatroniker eingeladen zu werden.

Diese und weitere Diskriminierungen werden in dem Youtube-Clip „Chancengleichheit in Ausbildung und Job!?“

thematisiert, der beim Einstieg in das Thema hilfreich sein kann. Außerdem lädt er dazu ein, sich darüber auszutauschen, welche Kriterien bei der Auswahl von Bewerber_innen herangezogen werden sollten. Sind es tatsächlich – wie im Film gefordert – die Noten, Pünktlichkeit und Ordnung? Können auch diese Kriterien zu Diskriminierung bestimmter Gruppen führen? Sind sie eigentlich objektiv? Und welche würden die Teilnehmer_innen anlegen, wenn sie selbst entscheiden könnten? Im Clip wird darüber hinaus mit stereotypen Bildern über das Deutsch sein gearbeitet – auch hieran kann in Seminaren gut angeknüpft werden.

Der Clip „

“ widmet sich den innerbetrieblichen Beschwerdestellen. Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das viele Formen von Diskriminierung verbietet, muss jeder Betrieb und jedes Unternehmen solch eine Stelle einrichten – leider ist dies in der Praxis nur wenig verbreitet. Im Clip werden Beispiele von Diskriminierung in der Arbeitswelt thematisiert und das Modell der innerbetrieblichen Beschwerdestellen vorgestellt. Im Seminar kann der Film genutzt werden, um über Diskriminierung im Arbeitsleben ins Gespräch zu kommen und die Teilnehmer_innen anzuregen, Beispiele aus ihrem eigenen Erleben einzubringen. Darüber hinaus bietet sich ein Blick in das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) an. Gefragt werden kann, welche Chancen in diesem Antidiskriminierungsgesetz liegen, welche Lücken bestehen und vieles mehr. Auch die Frage, inwiefern der Betrieb ein politischer Ort bzw. ein Ort politischen Handelns ist, kann aufgeworfen werden.

Interventionen für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt – Stärkung der Handlungsfähigkeit vor Ort!

Politische Bildungsarbeit im Themenfeld geschlechtliche und sexuelle Vielfalt hat einerseits eine längere Geschichte, andererseits aufgrund antifeministischer Interventionen rechter Akteur_innen auch eine aktuelle Brisanz. Vor diesem Hintergrund erscheinen Projekte, die Bildungseinrichtungen und Pädagog_innen Unterstützung für emanzipatorische Arbeit und Entwicklungen bereitstellen von besonderer Bedeutung.

Das Modellprojekt Interventionen für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt – Stärkung der Handlungsfähigkeit vor Ort! des Berliner Trägers Dissens e.V. unterstützt die inklusive Weiterentwicklung pädagogischer Institutionenkulturen (Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen etc.) in Richtung Akzeptanz geschlechtlicher, amouröser und sexueller Vielfalt und des Abbaus von Diskriminierung. Auf der Homepage haben die Projektmitarbeiter_innen nun einen Erklärfilm zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt „Selbstbestimmt leben und lieben!“ veröffentlicht. Außerdem finden sich hier eine Vielzahl von gut ausgearbeiteten Methoden sowie ein Glossar zum Download.

www.interventionen.dissens.de

Dein Blick auf Buchenwald - Wie schauen Geflüchtete auf deutsche Geschichte?

In einem zweiwöchigen Seminar im Sommer 2017 haben sich Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland auseinandergesetzt.

Durch Fotos und Texte haben sie die Vergangenheit reflektiert und mit ihren eigenen (Flucht-)Erfahrungen abgeglichen. Daraus entstand die dreisprachige Broschüre „Buchenwald: Geschichten erzählen“. In ihr sind Bilder sowie Textfragmente enthalten, die eine ganz eigene und ungewohnte Perspektive auf dieses Thema eröffnen.

Die Broschüre entstand im Rahmen von „empowered by democracy“ und wurde gefördert durch „Demokratie Leben“.

Den Link zum Download der Broschüre finden Sie hier.

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Bildungsbaustein mit Methoden zum NSU-Komplex

Auch fast sechs Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU sind wenige gesamtgesellschaftliche Konsequenzen aus den Taten des rechten Terrornetzwerks spürbar. Behörden, Medien und Zivilgesellschaft zogen und ziehen weiterhin kaum Schlüsse aus dem offenbar gewordenen mörderischen Rassismus: In München beharrt die Bundesanwaltschaft wider der dargelegten Fakten weiterhin auf dem Trio-Konstrukt und trägt damit dazu bei, dass neonazistische Netzwerke unaufgedeckt und Fragen sowie Forderungen der Betroffenen unbeantwortet bleiben. In Thüringen tritt ein bisheriges Novum auf, CDU und AfD stimmen gemeinsam gegen einen Entschädigungsfonds und eine Gedenkstätte für die Opfer des NSU. In Kassel bleibt die Forderung der Familie Yozgat nach einer Straßenumbenennung in „Halitstraße“ weiterhin ungehört.

Auch in Hamburg gibt es die Problematik um ein respektvolles und anerkennendes Gedenken und die der Straßenumbenennung. Auch hier wird verschiedener rassistischer Mordtaten nicht angemessen gedacht: Die Straße, in der Süleyman Taşköprü vom NSU getötet wurde, wird nicht umbenannt. Der Widerstand gegen ein würdiges Erinnern an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân ist ein weiteres Beispiel. Hamburg ist zudem das einzige Bundesland, das als Tatort der NSU-Mordserie bisher keinen Untersuchungsausschuss eingerichtet hat. Am Medienstandort Hamburg lässt sich wenig rassismuskritische Selbstreflexion feststellen, auch das zivilgesellschaftliche Spektrum hat den NSU-Komplex nicht zum Anlass für eine spürbare Zäsur genommen.

Im Bildungsbaustein geht es uns darum, eine rassismuskritische Auseinandersetzung mit dem Terror des NSU und den damit verbundenen gesellschaftlichen Strukturen und Einstellungen, insbesondere für Hamburg, zu erweitern, Widersprüche zu thematisieren und Suchbewegungen nach gesellschaftlichen und individuellen Veränderungen zu unterstützen. In kurzen inhaltlichen Beiträgen werden verschiedene Aspekte beleuchtet: eine Einordnung des NSU-Komplexes - institutioneller Rassismus im Rahmen von Ermittlungen und Polizeiarbeit - Reproduktion von Rassismus in der medialen Darstellung – die Bedeutung von Nation und Nationalismus in diesem Zusammenhang - Einschätzungen zum Verlauf des NSU-Prozesses und den Grenzen und Möglichkeiten des Rechts im Umgang mit Rassismus - Geschlechterverhältnisse in einem rassismuskritischen Kontext mit besonderem Fokus auf den NSU-Komplex und rechte Täterinnen - eine intergenerationale Verwobenheit von Alt- und Neo-Nazis - die Bedeutung von geschützten Räumen und Empowerment als Querschnittsaufgabe in der Bildungsarbeit -  Formen des Gedenkens und Erinnerns an Opfer rechter Gewalt und die Rolle von Gedenkpraxen und Repräsentationspolitiken - die Notwendigkeit einer machtkritischen Reflektion der Strukturen, Ansätze und Inhalte der politischen Bildungsarbeit.

Ein Methodenteil bietet Anregungen, verschiedene Aspekte der inhaltlichen Beiträge in der Bildungsarbeit aufzugreifen und für unterschiedliche Zielgruppen zu thematisieren. Die methodischen Vorschläge sollen politische Bildner_innen, Lehrer_innen oder Multiplikator_innen aus der Jugendarbeit sowie alle anderen Interessierten dabei unterstützen, Wege zu finden, wie eine Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex, mit rechtem Terror und gesellschaftlichem Rassismus zielgruppenangemessen ausgestaltet werden kann. Hinweise zu Literatur, Initiativen, Video- und Audiomaterialien schließen den Bildungsbaustein ab.

Der Bildungsbaustein sowie die kompletten Methodendarstellungen stehen zum Download auf den Homepages von empower (https://hamburg.arbeitundleben.de/empower ) und MBT (https://hamburg.arbeitundleben.de/mbt) zur Verfügung. Dort finden sich auch weitere Publikationen der beiden Beratungsprojekte. Die gedruckte Version des Bildungsbausteins ist bei Zusendung eines frankierten und adressierten B4-Umschlags erhältlich.